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Klosterhof Geschichte

Kulisse

In malerischer Kulisse zwischen Marktplatz und Kirche liegt der stattliche Klosterhof. Er war das Stadthaus der Stiftsdamen des Zisterzienserinnenklosters Gravenhorst. Bei kriegerischen Ereignissen und in unruhigen Zeiten suchten die Nonnen Schutz in den sicheren Mauern der Burgenstadt. Über das 3,5 km lange "Nonnenpättken" gelangten die Nonnen schnurgerade in den südwestlich gelegenen Klosterhof nach Bevergern. Auf Bevergerner Seite ist die 500 Meter lange ‚Allee’ der letzte historische Teil des Nonnenpättkens. In einer Urkunde des Klosters von 1487 wird die Allee als "Hilliger Weg" bezeichnet.

Im Jahre 1669 errichtete die Äbtissin Maria Etta Elisabeth von Westerholt (1656-1685) das Stadthaus der Stiftsdamen neu. Der Vorgängerbau an dieser Stelle, 1643 durch den Konvent unter Maria von Grothaus (1623-1656) von dem Bevergerner Bürger Johan Koip erworben, wurde bei dem Stadtbrand 1658 gänzlich zerstört. Dieses war aber nicht der erste Grundstückserwerb des Klosters in der Stadt Bevergern. Schon im Jahre 1488 kaufte die Äbtissin Oda von Snetlage (1483-1496) für 425 Gulden das ‚Hornsse Gut’.

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Baugeschichte und Baustil

Auch dieses Gebäude wurde ein Raub der Flammen und bei dem großen Stadtbrand von 1562 völlig eingeäschert. Bei dem Klosterhof handelt es sich um ein außerordentlich großes und breites Ackerbürgerhaus von sieben Fach Tiefe. Alle vier Außenwände waren seinerzeit in Fachwerk und mit Riegelfolgen versehen. Zur Aussteifung des Wandkastens dienten in den Eckfachen jeweils durch alle drei Gefache verlaufende leicht gebogene Fußstreben. Der Vordergiebel war von vornherein als Schaugiebel gestaltet, wobei das Giebeldreieck zweifach weit auf hochbarocken Karniesknaggen unter sog. Hakenbalken vorkragt. Diese zweifache Vorkragung bewirkt, dass die untere Hälfte des Giebeldreiecks in Fachwerk gestaltet werden konnte, die obere wurde auch schon damals senkrecht brettverschallt. Bei der Dachkonstruktion handelt es sich um ein Dachbalkengefüge mit Sparrenschwelle.
Ein Dachstuhl war nicht vorhanden, sondern, wie in dieser Gegend sonst üblich, reichte die Kehlbalken- und Hahnenbalkenlage zur Aussteifung des Sparrendaches aus.

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Zimmermeister aus der Umgebung

Die Konstruktionsart des Fachwerkgebäudes einschließlich der Zierformen am Giebel und die primitiv eingeschnittene Inschrift deuten darauf hin, dass es sich um einen Zimmermeister aus Bevergern oder aus dem ländlichen Umland handelt, denn ähnlich sind auch um die Mitte des 17. Jahrhunderts die großen Bauernhöfe der Umgebung gezimmert gewesen. Allerdings unterscheidet sich der Grundriss des Gebäudes außerordentlich stark von den bäuerlichen Haupthäusern, wie schon im Hauptgiebel das weit aus der Mittelachse nach rechts verschobene Deelentor andeutet. In der rechten Haushälfte erstreckte sich hinter dem Deelentor über vier Fach Tiefe die Wohn- und Wirtschaftsdeele und im Anschluss daran zum Hausende über drei Fach Tiefe die etwas breitere Kaminküche. Links der Wohndeele befand sich über dem kappengewölbten Keller das Refektorium (Speisesaal). Links der Küche, über dem Tonnenkeller, lag das Dormitorium, der Schlafsaal der Nonnen. Zwischen Upkammer und Küche befindet sich der mächtige besteigbare Schornstein, der möglicherweise sogar einen Doppelkamin besaß: einmal zur Küche hin und zum anderen zur Beheizung der Upkammer. Später hat man wohl die kunstvolle Holztreppe eingebaut, die auf sehr engem Raum die enorme Höhe zum Dachgeschoss überwindet und es so als Wohnräume bewohnbar machte.

Von der Küche aus führt eine Tür im Rückgiebel in den Hof. Damit erweist sich dieses Gebäude schon 1669 als typisches Stadthaus, denn Bauernhäuser hätten am Rückgiebel ein Kammerfach angebaut gehabt.

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Unterkellerung im linken Schiff

Gegenüber den herkömmlichen kleinen Ackerbürgerhäusern in Bevergern des 17. Jahrhunderts sticht dieses Haus schon durch die reiche Unterkellerung im linken Schiff hervor. Dieser Kreuzgratgewölbekeller dürfte noch vom Vorgängerbau stammen und den Stadtbrand von 1658 unbeschadet überstanden haben.
Im 18. Jahrhundert scheint es einen Umbau gegeben zu haben. Dieser deutet sich schon von außen in den Fundamenten sichtbar an. Während die vordere Haushälfte, insbesondere die Stubenzone, fein sauber mit Quadern ausgeführt ist, befindet sich in der hinteren Haushälfte (gut an der linken Traufe erkennbar) noch das ältere Bruchsteinmauerwerk. Möglicherweise kamen hier die Werksteine der 1680 gesprengten Burg zum Einsatz.
In die gleiche Zeit fällt der Einbau von größeren Fenstern in den vorderen fünf Gefachen der linken Traufwand und in den zwei Gefachen links des Deelentores. Dazu wurde die zweifache Verriegelung zu einer dreifachen ausgewechselt und die vordere Fußstrebe am linken Giebel entfernt.
Ein weiterer Umbau erfolgte im Jahre 1831. Zu diesem Zeitpunkt wird man das Haus an der rechten Traufe in den hinteren zwei Dritteln auf Kosten des Kirchplatzes erweitert haben. Während dieser Ausbau auf der Kirchplatzseite in Fachwerk geschah, wurde wohl gleichzeitig der im Wetter liegende Rückgiebel komplett massiv - einschließlich der Erweiterung - neu hochgezogen und in typisch spätbarocker/klassizistischer Gesinnung mit Krüppelwalm gestaltet und Tür und Fenster erhielten Bruchsteingewände.
Dr. Stefan Baumeier, ehem. Direktor des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold, wundert sich, dass der Klosterhof im 18. Jahrhundert nicht die sonst in Bevergern üblichen großzügigen Barock- und Rokokoerneuerungen in Massivbauweise erhalten hat. Er stellte sich 1994 die Frage, ob das Kloster nicht finanzkräftig genug war oder ob es zu diesem Zeitpunkt schon in anderen Besitz übergegangen war.

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Weitere Eigentümer

Mit der zweiten Vermutung mag er Recht gehabt haben. Denn 1708 wird Joes Koep – vermutlich ein Nachfahre der o. a. Familie Koip – wieder als Besitzer erwähnt. Als Bewohner taucht er bereits 1694 im "Gravenhorster Hauß" auf. Wahrscheinlich haben die Gravenhorster Nonnen ihren Besitz nach der Zerstörung der Burg 1680 verkauft, da keine Soldaten mehr in Bevergern stationiert und sie in der Stadt auch nicht sicherer untergebracht waren wie im Kloster.
Ca. 130 Jahre blieb der Klosterhof im Eigentum der Familie Koep, die in diversen Schatzungs- und Einwohnerlisten als Brauer, Gastwirt und Bäcker erwähnt werden. 1767 wird auch der Name der Schildwirtschaft genannt: "Im gelobten Land"; wohl eine Anspielung auf die ehemaligen Gravenhorster Nonnen. Um 1780 heiratet der Sekretär und Bürgermeister Eilerman die Witwe Koep und wird Besitzer.

Gegen 1835 gibt es einen Inhaberwechsel und der Brauer und Gastwirt Anton Liescher erwirbt das Gebäude. Ca. 30 Jahre später findet der Gastwirt Engelbert Korte Erwähnung. Dieser war zuvor Wirt in der Klosterschänke in Gravenhorst. Von 1951 bis 1979 betrieb die Familie Lennerz den Gasthof.

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Förderverein erwirbt Klosterhof

Bis 1989 befand sich die "Grüne Gans" in dem Haus, das besonders bei der Jugend sehr beliebt war.

Anschließend stand der Klosterhof leer und wurde dann 1993/1994 vom Förderverein erworben.

Zu berichten sei hier noch, dass nach dem Abriss des alten Rathauses an der Langen Straße im Jahre 1911, die Ratssitzungen der damals noch selbstständigen Stadt im ehemaligen Refektorium des Klosterhofes stattfanden. Dieses galt bis zur kommunalen Neugliederung und dem Übergang an die neue Stadt Hörstel am 31.12.1974.

Es sollen noch zwei Begebenheiten erwähnt werden, die unmittelbar mit dem Klosterhof in Verbindung stehen.

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Das Hühnerei in der Wand

Als im Jahre 1831 bei einem Umbau (s. o.) des Klosterhofes die Westwand eingerissen wurde, entdeckte man darin ein eingemauertes Hühnerei. Offenbar sollte es als Bauopfer Unheil von dem Gebäude abwehren. Der Bevergerner Bürgermeister Friedrich Borggreve schickte das wieder gefundene Ei dann an den Sammler Heinrich von Olfers. Dessen Sohn Franz von Olfers gab es 1857 an den Freiherrn Ferdinand von Droste-Hülshoff (ein Neffe der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff) weiter, der es zu einem späteren Zeitpunkt dem württembergischen Ornithologen Freiherr Richard Koenig von und zu Warthausen für dessen Eiersammlung überließ. 1955 kam die Koenig-Warthausen’sche Sammlung dann ins Staatliche Museum für Naturkunde nach Stuttgart, darunter auch das Bevergerner Hühnerei, wo es sich noch heute befindet.
Der Brief von Droste-Hülshoff an Koenig-Warthausen ist überliefert und befindet sich im Besitz des Heimatvereins Bevergern. Er hat folgenden Wortlaut: "Beiliegendes monströse Hühnerei fand sich in einem Hause in Bevergeren[!], wo es eine Abtissin von Gravenhorst, ein Fräulein v. Westerholt hatte im Jahre 1669 einmauern lassen, damit dieses Haus von Gespenstern und Geistern nicht besucht würde. Im Jahre 1831 fand es sich beim Abbruche des Hauses vor, worauf es den 2. Januar 1831 von einem gewissen B (dessen Unterschrift unten beigefügt) [=Bürgermeister Borggreve] an Heinrich v. Olfers, in dessen Sammlung geschikt[!], worauf ich es von dessen Sohne, Franz v. Olfers, im J. 1857 in meine Sammlung erhielt. Münster den 7ten Dezember 1858".

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Die Lutherbibel

Der o. a. Gastwirt Engelbert Korte "fand" 1890 in einem Geheimfach seines Sekretärs ein Erbauungsbüchlein, landläufig die "Lutherbibel" genannt. Das Möbelstück stammte aus dem Besitz der vorherigen Bewohner seines Hauses, den Stiftsdamen aus Gravenhorst nämlich. Korte zeigte dem Studenten Thiemann aus Rheine, der nach einem Verwandtenbesuch in Bevergern bei ihm zu Schnaps und Bier einkehrte, seinen Fund. Der erkannte sofort den großen Wert, den er da in Händen hielt und vereinbarte mit dem "Finder", das Buch nach Münster zu bringen, um es dann gewinnbringend zu verkaufen. Dort wurde es wie eine Sensation gefeiert.  
In der zu Münster erscheinenden Zeitung "Westfälischer Merkur" fand sich in der Ausgabe vom 31. Oktober 1890 folgende Notiz: "Bevergern, den 29 Oktober. Einen wichtigen Fund zwischen altem Gerümpel machte der Gastwirt Korte hierselbst. Ein seltenes Kunstwerk in Buchform mit der Jahreszahl 1522 und dem Namen C. Aldegrever: der Deckel ist aus prachtvoll geschnitztem Elfenbein, der Rücken und Rand mit Arabesken in Silber ciselirt. Die Gebete und Bilder sind in silberne Blätter eingeätzt, die Krampen und Lesezeichen mit mittelalterlichen Figuren durchsetzt, auf welchem kunstvolle Federzeichnungen und Wappen sich befinden. Es wiegt 1 Kilo und dürfte für Kunstfreunde hohen Werth haben."

Die Kunstfreunde aus aller Welt meldeten sich. Die Leiter der königlichen Museen in Berlin und der Wartburg reisten nach Münster.

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Einer entdeckte auf der Schließe die eingeritzten Buchstaben "M L" und schon handelte es sich um ein Betrachtungsbuch aus dem persönlichen Besitz des Reformators Martin Luther. Angebote wurden für den Kauf des Buches abgegeben, von 5.000 Mark über 10.000 Mark (nach heutigem Wert ca. 125.000 €) steigerte man den Preis immer höher. Das höchste Angebot soll aus Amerika gekommen sein.

Doch dann entstand ein Streit unter Fachleuten, ausgetragen in den beiden in Münster erscheinenden Zeitungen: ein Professor pro Echtheit, ein anderer kontra. Das ging eine Zeitlang so, bis der Zufall dem Ganzen ein Ende setzte. Vor dem Schaufenster eines Buchhändlers, in dem das Buch ausgestellt war, hatte sich – wie so oft – eine Menschenmenge versammelt. Da sprach ein junger Mann (wie sich später herausstellte, der Lehrling des Fälschers) voller Stolz aus: "An dem Buch habe ich auch mitgearbeitet!" Und so kam eine Fälschung grandiosen Ausmaßes ans Tageslicht.

Der Graveur Carl-Ludwig Heck, ein Vetter von Korte, hatte das Buch angefertigt. Um den "Fund" glaubhaft und ein großes Geschäft damit machen zu können, veranlasste er seinen Verwandten, das Buch im alten Sekretär der Nonnen von Gravenhorst "aufzufinden" – ein solcher Fundort konnte durchaus glaubhaft klingen.

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Doch die ganze Geschichte war eben frei erfunden und beiden Personen wurde 1891 der Prozess vor dem Landgericht Münster gemacht. Korte und Heck wurden jeweils zu neun Monaten Gefängnisstrafe wegen Betruges verurteilt. Korte musste noch zusätzlich eine Geldstrafe von 1.000 Mark bezahlen.
Das "Lutherbuch" wurde von der Staatsanwaltschaft eingezogen und gelangte 1892 in den Besitz des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst, dem Vorgänger des Westfälischen Landesmuseums, dem heutigen LWL-Museum für Kunst und Kultur. Dort schlummerte es Jahrzehnte vor sich hin. Erst 2006 wurde es durch Mitglieder des Arbeitskreises Stadtgeschichte des Heimatvereins aufgefunden. Die Suche hatte so lange angedauert, weil das Buch unter dem ursprünglichen Titel "Von dem leyden Christi. Ein Sermon von der Betrachtung des heyligen leidens Christi. D. M. Luther" verzeichnet und inventarisiert war.

2007/2008 wurde die "Lutherbibel" im Gewölbekeller des Klosterhofes ausgestellt. 2008 und 2009 wurde das Gaunerstück durch das "Historische Theater Bevergern" am Originalschauplatz im "Café Klosterhof" aufgeführt.

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Am 09.11.2013 wurde das denkmalgeschützte Gebäude wieder neu eröffnet. Mit dem Ehepaar Wolfgang und Dagmar Wagner aus Riesenbeck wurden zwei motivierte Pächter mit langjähriger Gastronomieerfahrung gefunden. In renovierten Räumlichkeiten soll der Klosterhof für gesellige und erholsame Stunden sorgen.


Mit freundlicher Genehmigung von Heinz-Josef Reckers, Hörstel-Bevergern
(Kreisheimatbund Steinfurt e.V.)